Jahr / Year: 2008  |  Material: Cardboard

Deutsch

Zwei von nur drei bekannten Versionen, die 2008 gemalt wurden, zeigen Banksys Bilder von Abe Lincoln, wie er eine weitere Ikone konfrontiert und stört – einen der berühmtesten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. In diesen Bildern hat Banksy das berühmte Gesicht des „Honest Abe“ in eine schaurige, komische Präsenz verwandelt. In einem der Bilder scheinen Glupschaugen wie aus einem Totenschädel aus seinem Kopf herauszuwachsen, im anderen ist ein gespenstischer Heiligen-schein um die Augen zu sehen, als würden sie leuchten. Diese potentiell unheimlichen Züge werden durch die schablonierte Dekoration hinter ihm und in einem Fall durch die grünen Tupfen, die sein Gesicht und sein Hemd bedecken, bewusst untergraben.

Diese beiden Bilder auf Karton – aus einer Serie von nur drei – entstanden 2008, als Banksy New Orleans besuchte, drei Jahre nach den Verwüstungen des Hurrikans Katrina. Dort nutzte Banksy die immer noch zerfledderte urbane Struktur von New Orleans als beredte Kulisse für seine Kritik an der Situation. In seinen Werken verarbeitete Banksy Mitgefühl, Wut und vor allem Humor und reagierte anklagend auf die unzureichende Hilfe und die schleppenden Aufräumarbeiten vor Ort. In einem Fall malte Banksy Abraham Lincoln als Obdachlosen, der einen mit Waren beladenen Wagen schiebt, und benutzte dabei dieselbe Schablone, die er für diese Arbeiten auf Pappe verwenden würde. Das Gebäude, auf das Banksy sein Bild von Lincoln gemalt hatte, wurde inzwischen abgerissen, um Platz für eine Gesundheitseinrichtung zu schaffen.

Banksys Verwendung der sofort erkennbaren Merkmale von Lincoln als visuelles Thema zeigte seinen laserscharfen Sinn für Satire. Lincoln war die große Galionsfigur der Emanzipations-bewegung, die die Sklaven der Südstaaten befreite – viele ihrer Nachkommen sind bis heute in ganz Amerika sozioökonomisch benachteiligt. Während des Hurrikans Katrina war dieses Erbe der strukturellen Diskriminierung umso deutlicher zu spüren, als die ärmeren schwarzen Gebiete von New Orleans die größten Verluste erlitten, als der Deich brach. Die Darstellung von Lincoln, wie er durch die Straßen geht und seinen Karren schiebt, hat die Unzulänglichkeiten seiner politischen Nachkommen schonungslos aufgezeigt. Schließlich war Lincoln, wie die Bush-Regierung, unter deren Aufsicht Katrina einschlug, ein Republikaner. In diesen verzerrten, dystopischen Darstellungen werden die Rätsel, die die historische Rückschau bietet, auf unterschiedliche Weise ausgelotet, wobei Banksy einen Lincoln präsentiert, der weniger ein Emanzipator oder Märtyrer als vielmehr ein ektoplasmatischer Buhmann ist.

English

Two of only three known versions painted in 2008, Banksy’s images show Abe Lincoln confronting and disturbing another icon – one of the most famous presidents of the United States of America. In these paintings, Banksy has transformed the famous face of „Honest Abe“ into an eerie, comical presence. In one of the images, googly eyes seem to be growing out of his head as if from a skull; in the other, a ghostly halo can be seen around the eyes, as if they were glowing. These potentially sinister features are deliberately undermined by the stenciled decoration behind him and, in one case, by the green polka dots covering his face and shirt.

These two paintings on cardboard – from a series of only three – were created in 2008 when Banksy visited New Orleans, three years after the devastation of Hurricane Katrina. There, Banksy used the still-tattered urban fabric of New Orleans as an eloquent backdrop for his critique of the situation. In his works, Banksy processed compassion, anger, and above all humor, reacting accusingly to the inadequate aid and slow cleanup efforts on the ground. In one instance, Banksy painted Abraham Lincoln as a homeless man pushing a cart loaded with goods, using the same stencil he would use for these works on cardboard. The building on which Banksy had painted his image of Lincoln has since been demolished to make way for a healthcare facility.

Banksy’s use of Lincoln’s instantly recognizable features as a visual subject demonstrated his laser-sharp sense of satire. Lincoln was the great figurehead of the emancipation movement that freed the slaves of the Southern states-many of their descendants remain socioeconomically disadvantaged throughout America today. During Hurricane Katrina, this legacy of structural discrimination was felt all the more acutely as the poorer black areas of New Orleans suffered the greatest losses when the levee broke. The depiction of Lincoln walking the streets and pushing his cart relentlessly exposed the shortcomings of his political progeny. After all, Lincoln, like the Bush administration under whose watch Katrina hit, was a Republican. In these distorted, dystopian depictions, the conundrums offered by historical hindsight are explored in different ways, with Banksy presenting a Lincoln who is less an emancipator or martyr than an ectoplasmic bogeyman.